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Kaum eine Epoche zeigt die Entwicklung der modernen europäischen Welt mit ihren Höhen und Tiefen konzentrierter als die englische Renaissance. Innerhalb kürzester Zeit mutiert die Insel aus halber Barbarei zum europäischen Motor von Kapitalismus, Kunst und Wissenschaft. In über 500 von ihm ausgewählten, eingeleiteten und übersetzten Originaltexten entfaltet Manfred Pfister ein immens vielfältiges Panorama, das von Chaucer und Erasmus über Shakespeare bis zu Milton reicht.

Literatur spiegelt die Umbrüche der Gesellschaft, sie durchlebt die Krisen, die unsere Gegenwart ausmachen – sozial, politisch, ökonomisch und auch ästhetisch. Im Jahr 1989 wollte man dazu die Autor:innen auf der großen Bühne hören: Von Christa Wolf und anderen erwarteten die Demonstrant:innen auf dem Berliner Alexanderplatz Orientierung. Im »deutsch-deutschen Literaturstreit« und in den Skandalen um Strauß, Grass, Handke oder Walser veränderte sich die Öffentlichkeit von Grund auf. Die »Popliteratur« erklärte Autor:innen nur noch zu Marken unter anderen. Im Hintergrund erprobte Amazon am Beispiel des Buchs erstmals die Möglichkeiten des digitalen Kapitalismus. Welche dieser Debatten seit 1989 gehen uns heute (noch) an, was ist Literaturgeschichte geworden und was wirkt (noch) unmittelbar in die Gegenwart rund um die Debatten über Migration, Identität oder Klassismus? Welche Fragen haben sich erübrigt und welche Diskussionen wären dringend zu führen?