
Clemens Böckmann »Das richtige Leben des Alvaro Maderholz«
Clemens Böckmann »Das richtige Leben des Alvaro Maderholz« Im Gespräch mit Wiebke Porombka Am einen Anfang, noch während Rauchschwaden über den chilenischen Präsidentenpalast
Am einen Anfang, noch während Rauchschwaden über den chilenischen Präsidentenpalast ziehen und die Nachricht vom Tod Salvador Allendes die Runde macht, ertönt der erste Schrei eines Kindes. Am anderen Anfang stößt der Schriftsteller Clemens Böckmann bei einem Forschungsprojekt im österreichischen Eisenerz zufällig auf die Spur eines tödlich verunglückten skispringenden Dichters. Und dazwischen entfaltet sich das ganze, nämlich das richtige Leben des Alvaro Maderholz, der beim Absprung von der Skisprungschanze der Schwerkraft der eigenen, von Krieg, Exil und Ideologie gezeichneten Familiengeschichte zu entfliegen hoffte.
Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen alles nimmt und nichts kennt als die Sprache der Gewalt? Gulistan und ihr Mann Çiya werden unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger.
Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Mithu Sanyal über »Sturmhöhe« von Emily Brontë
Liebe, Rache, Tod und Sinnlichkeit: »Sturmhöhe« (»Wuthering Heights«) ist der einzige Roman der britischen Schriftstellerin Emily Brontë. Das 1847 unter einem Pseudonym veröffentlichte Werk schrieb Weltliteraturgeschichte und wurde immer wieder verfilmt – zuletzt sorgte die Adaption von Emerald Fennell für Aufsehen. Im Zuge der BookTok-Trends um #YoungAdult und #DarkRomance erlebt der Roman unter jungen Lesern eine erstaunliche Renaissance. »Sturmhöhe« handelt von drei Familien, emotionalen Abhängigkeiten, unbändiger Liebe, ungezügelter Lust und von menschlichen Abgründen. Emily Brontë treibt die Romantik ins Extrem. Die Schriftstellerin Mithu Sanyal (»Identitti«, »Antichristie«) und Wolfgang M. Schmitt diskutieren über Brontës Meisterwerk und dessen Bezüge zur Gegenwart: Welche Geschlechterbilder bestimmen noch immer die Liebes(un)ordnung?Und ist die romantische Liebe überhaupt noch zu retten?
Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester Lada in Berlin mit einer Sanierung, die ihr Wohnhaus unbewohnbar macht. Auch versteht sie nicht, warum ihr Bruder nach Kriegsbeginn in Moskau geblieben ist, doch steckt Konstantin bis zum Hals in Schwierigkeiten, an denen sein Patenonkel nicht unschuldig ist, ein Oligarch mit transhumanistischen Ambitionen, der auch Lada in Bedrängnis bringt.
König Dedo II. von Sachsen hat ein Imageproblem: zu schlaksig, zu queer, zu introvertiert. Während er von Schloss Buzickitz aus übers Handy regiert und die Öffentlichkeit meidet, bricht sein Privatleben zusammen. Sein Partner Marfa verlässt ihn und die erzkonservativen Medien ziehen über ihn her. Also beginnt er zu pumpen, um sich als Monarch zu behaupten. Sein Ziel: Ein Herrscher aus Muskelmasse. Doch weder Medienskandale, Liebeskummer noch seine völlig unroyale Schwester lassen sich wegtrainieren und der selbsternannte Thronfolger Gero bringt sich in Stellung.
Es ist das Jahr 1832. Évariste Galois, 20 Jahre alt und unglücklich verliebt, stirbt an den Folgen eines Bauchschusses. In der Nacht vor dem tödlichen Duell bringt der junge Gelehrte noch schnell eine mathematische Theorie zu Papier. Sie wird den gerade erst aus der Haft entlassenen Revolutionär und Königsgegner weltberühmt machen. Galois‘ Geschichte hat alles, was es für einen packenden Kostümfilm braucht. Zu erleben ist dieser Film vorerst aber nur in den Imaginationen und Reflexionen eines Drehbuchautors, über den Ulrich Peltzer erzählt, wie er in einer schlaflosen Nacht zwischen französischer Julirevolution und eigener Gegenwart hin- und herspringt.
Zwei Romane, zwei historische Szenen und ein gemeinsamer Blick auf Kunst im Ausnahmezustand. Miku Sophie Kühmel holt mit »Hannah« die Liebes- und Arbeitsgemeinschaft von Hannah Höch und Til Brugman aus dem Schatten des Dada und öffnet den Kanon für queere Perspektiven. Marianne Ludes macht in »Trio mit Tiger« Quappi Beckmann zur unverzichtbaren Zeugin des Exils. Beide korrigieren Blindstellen mit Archivmaterial und literarischem Zugriff. Ein unmoderiertes Gespräch über Nähe, Macht, Inspiration und die Frage, was Kunst tut, wenn die Welt kippt.
Mit Wolfgang M. Schmitt und Laura de Weck
Vor 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. 1961 veröffentlichte sie unter dem Titel »Das dreißigste Jahr« einen Zyklus mit Erzählungen, deren zeitlose Schönheit erschüttert und deren Themenfelder mit uns heute räsonieren. Nach dem Krieg beginnt für die österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin eine neue Zeitrechnung. Die Jahre sind geprägt von Anpassung und Abstumpfung, von gewaltförmigen Strukturen. Viele Figuren stecken fest in einer alten Sprache und damit in der Vergangenheit. Zugleich vernehmen wir – etwa in der Erzählung »Undine geht« – eine radikale Stimme des Feminismus, die Aufbruch und Ausbruch verheißt. Die Texte sind jedoch weit entfernt davon, historische Dokumente längst überkommen geglaubter Konflikte zu sein, handeln sie doch von den Zumutungen, die das Subjekt in der bürgerlichen Gesellschaft erfährt, vom erschöpften Selbst, lange schon, bevor der Neoliberalismus sich ausbreitete, und von Kollaboration, wo Verweigerung nötig gewesen wäre.
Drei Leben am Rand. Ein Mädchen, überzeugt, kein Kind mehr zu sein, verbringt einen Sommer voller Widersprüche, ihr einziger Freund ist ein Messer. Ein in die Jahre gekommener Outlaw begibt sich mit einer Leiche und einem Haufen Drogen im Gepäck auf einen Roadtrip. Und eine zum Tode verurteilte Frau wartet in ihrer Zelle auf die Hinrichtung, während ihre letzten Lebensstunden von einer Wärterin akribisch protokolliert werden. Drei Geschichten über das, was uns Menschen trotz allem verbindet: den Überlebenstrieb.
Briefe von Autor:innen im Exil
In den versammelten Briefwechseln aus fast 10 Jahren Weiter Schreiben erleben wir mit, wie sich zwischen Schriftsteller:innen über persönliche und politische Grenzen hinweg tiefe Verbindungen entwickeln. Diese Briefe sind mehr als Erinnerungen – sie sind literarische Zeitdokumente, in denen die persönlichen Schicksale mit weltpolitischen Ereignissen verwebt werden. Und sie zeigen: Wenn wir es wollen, können wir uns miteinander verbinden.
Mit Wolfgang M. Schmitt und Maxim K.I.Z.
Kaum ein Roman war in den vergangenen 35 Jahren so prägend wie »American Psycho« von Bret Easton Ellis. Autoren wie Michel Houellebecq oder Christian Kracht verdanken dem Autor viel, von den Ellis-Epigonen ganz zu schweigen. Der Skandalroman, der in Deutschland zeitweise auf dem Index landete, schildert in drastischen Worten nicht nur eine Welt jenseits von Gut und Böse, die 1991 an der Wall Street anzutreffen war, sondern antizipierte bereits eine Gesellschaft, die mit dem Nichts jongliert, die die Trennung zwischen Realität und Fiktion nicht weiter benötigt und einen finanzialisierten Kapitalismus, der sich von der Realwirtschaft abkoppelt.
Wann beginnt Faschismus? Dieser Frage geht der Autor und Psychologe Mark Terkessidis in seinem Buch »Gewalt am Denken« nach. Er untersucht, wie autoritäre Tendenzen entstehen, warum Nostalgie zur politischen Triebkraft wird und weshalb selbst progressive Kräfte Teil eines neuen Kontinuums der Gefährdung sind. Nils Schniederjann diskutiert mit Terkessidis über seine Thesen.
Was bedeutet es, als erste Nachkriegsgeneration in einem Land aufzuwachsen, dessen Sprache man zwar spricht, aber dessen Wurzeln man nicht teilt, wo Fremdheit und Heimat das Gleiche ist? Und es sich so anfühlt, als habe sich das Leid der Mutter im eigenen Körper festgesetzt?
In der Reihe »Zum Werk. Gespräche über das Ganze« gibt Eugen Ruge Auskunft über seinen literarischen Werdegang, von den Theaterstücken, mit denen er begann, über seinen 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Bestseller »In Zeiten des abnehmenden Lichts« bis zu dem zuletzt erschienenen Roman »Pompeji«. Zum Werk gehören auch die von ihm herausgegebenen Russland-Erinnerungen seines Vaters Wolfgang Ruge, Hörspiele und Tschechow-Übersetzungen.
Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Amata ist in Eile, ihre Mutter wartet, wie jedes Jahr am 3. Mai. An diesem Tag jährt sich der Untergang der Cap Arcona, jene Katastrophe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihr Großvater nur knapp überlebt hat. Die Hitze drückt auf die überfüllten Straßen, die Fahrt wird immer länger, Brockhaus redet ununterbrochen, und Amata verliert die Fassung.
Sven Beckert verortet die Anfänge des Kapitalismus in seiner monumentalen Publikation »Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution« (2025) bereits im 12. Jahrhundert. Doch wie erzählt man eigentlich die Geschichte des Kapitalismus? Ist sie eine Geschichte von Fortschritt und Wachstum? Oder doch eher die eines über Jahrhunderte perfektionierten Systems der Ausbeutung?
Anke Engelmann zeichnet das traurig-komische Leben des Hannes Bohn nach, der durch die DDR-Geschichte stolpert. Er will eigentlich als Künstler leben, doch er landet im Gefängnis, wird drogensüchtig, von der Stasi zum Kunstfälscher ausgebildet. Er blufft sich durch Psychiatrie und Untergrund, bis er selbst nicht mehr weiß, wer er wirklich ist: ein Bild, so oft übermalt, dass niemand mehr das Original erkennt. Ist Hannes ein tragisches Genie, ein Blender – oder beides zugleich?
Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und nichts funktioniert. Toxibaby ist für Herzchen der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant und wütend auf die Welt. Und auf sie, die gefeierte Millenial-Schriftstellerin. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen.
Im Jahr 1983 reist die junge polnische Psychologin Wanda Karłowska nach Venedig, um den dort im Exil lebenden Henryk Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder ist es ein Verhör? Zwischen ihnen, so scheint es, steht ein Verdacht, und doch ist da eine Verbindung, die über das, was sie heute sind, hinausweist. Ein Spiel zwischen ebenbürtigen Gegnern beginnt. Es führt tief hinein in die jüngere europäische Geschichte und zu Fragen, vor die das Menschsein uns stellt. Ein bestrickend lebendiger Roman über das Leben und Überleben östlich und westlich des Eisernen Vorhangs.
Svenja Leiber macht in »Nelka« die Spuren der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts sichtbar. Sie erzählt von Zwangsarbeit und von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten.
Über Nacht verändern sich die Straßen von Wolnopol: Dünen wehen über die Promenade, künstlich anmutende Wirbelstürme reißen Schneisen durch die ukrainische Küstenstadt. Was wie ein Naturphänomen wirkt, entpuppt sich schnell als existenzielle Bedrohung. Ulrike Almut Sandig spannt in ihrem neuen Roman einen sinnbildlichen Bogen über drängende Fragen unserer Zeit. Wie sehr brauchen wir einander im Sturm?
Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte sind in diese Geschichte eingewoben. »Die Routinen« seziert ein ausbeuterisches System, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.
Mit physischer Intensität verhandelt Hegemann Fragen von Macht, Ohnmacht und Körperlichkeit in einer brüchigen urbanen Gegenwart. Dabei ist Berlin nicht bloß Handlungsort, sondern sowohl Akteur als auch Bedingung. Über das Leben und Schreiben in und über Berlin – ein Schauplatz, der seit »Axolotl Roadkill« in vielen ihrer Texte verhandelt wurde – spricht sie mit Annett Gröschner.
In der Reihe »Gespräche über das Ganze« gibt Jenny Erpenbeck Auskunft über ihren literarischen Werdegang, vom Debüt »Geschichte vom alten Kind« aus dem Jahr 1999 bis zu ihrem Erfolgsroman »Kairos«, für den sie 2024 als erste Deutsche mit dem International Booker Prize ausgezeichnet wurde.
»Eine Erregung« lautet der Untertitel zu Bernhards Meisterwerk »Holzfällen«, in dem der Protagonist aus dem Ohrensessel eine Wiener Abendgesellschaft beobachtet, die in kultureller Betulichkeit erstarrt ist und deren Opportunismus grenzenlos zu sein scheint. Thomas Bernhard erweist sich mit diesem 1984 erschienen Roman erneut als großer Provokateur und noch größerer Stilist. Der Ökonom Prof. Dr. Achim Truger ist ebenso wie Gastgeber und Podcaster Wolfgang M. Schmitt ein Verehrer von Bernhards Literatur. Sie sprechen über ihre gemeinsame Faszination und über die Aktualität eines Schreibens, das sich weder formal noch inhaltlich mit der herrschenden Ordnung gemeinmachen will. Was, wenn wir uns nicht weniger, sondern nur elaborierter empören müssen?
Die »Parole« ist ein Schimpfwort, mit dem man die Kommunikation politisch unliebsamer Gegner belegt. Sie verkürzt, vereinfacht und wird zur Kennzeichnung von Populisten herangezogen. Gleichzeitig ist die Parole ein zentrales Werkzeug politischer Kommunikation. Ohne Parolen geht politisch gar nichts. Vor allem Proteste und Soziale Bewegungen machen von ihr Gebrauch. Durch den Siegeszug von Social Media als Kommunikationsweg wird der Einsatz von Parolen noch verstärkt – mit immensen Auswirkungen auf die politische Sprache. Werden wir in Zukunft nur noch in Parolen kommunizieren? Und wenn ja, wäre das bedauernswert?
Zwischen Workout, Skincare und Content lebt Monique, genannt Mon, in einer Sphäre größtmöglicher Perfektion. Doch ihre Beziehungen erschöpfen sich in Modi von Konkurrenz, Neid und gespielter Zuneigung. Beim Shooting für ein Schokoladen-Start-up trifft Mon auf eine junge Fotografin. Mons latente Aggression entlädt sich bald in zunehmend drastischeren Gewaltexzessen. Josefine Rieks scheibt in »Wenn euch das gefällt« am Limit des Erträglichen. Ihr Sujet ist die Erfahrungslosigkeit der Individuen in einer zunehmend virtuellen Realität, ihre gewaltsame Selbstzurichtung und ihr Hunger nach Lebendigkeit.
Anna Seghers konnte sich mit ihrer Familie in letzter Minute aus Marseille nach Mexiko retten und lebte dort von 1941 bis Anfang 1947 im Exil. Hier hat sie ihren größten literarischen Erfolg errungen, die Veröffentlichung ihres Romans »Das siebte Kreuz«, hier erlitt sie aber auch ihren tiefsten Schmerz, die Nachricht über Deportation und Tod ihrer Mutter. Über Seghers‘ Zeit in Mexiko spricht die Germanistin Monika Melchert mit Claudia Cabrera, die in Mexiko-Stadt tätig ist und die Exilwerke von Seghers ins mexikanische Spanisch übersetzt hat.
Eine Frau trennt sich. Endlich. Eine andere pinkelt in den Schnee. Schwarze Löcher öffnen sich, Rettungsringe verschwinden. Zähne und Herzen brechen. Auf Parkplätzen, in Bars oder in Krankenhäusern wird die Fassung verloren. In »Notfallkontakte« erzählt Esther Becker von Menschen in seltsamen, verletzenden oder scheinbar hoffnungslosen Situationen. Als Komplizin ihrer Figuren beleuchtet sie empathisch ihre Lebenswelten. Dabei ist Beckers Ton nachdenklich, aber stets leicht und voller Humor.
Belgrad, 1942: Am Tag, an dem das okkupierte Serbien für »judenfrei« erklärt wird, streift Isak Ras ein letztes Mal durch die Stadt – auf der Suche nach seiner verschütteten Vergangenheit. Was geschah mit seiner Mutter? Welche Rolle spielten die Anarchisten Rosa und Milan? Und was hat es mit den Doppelgängern auf sich? In acht Perspektiven entfaltet Marko Dinić ein literarisches Puzzle aus Erinnerung, Widerstand und Verlust.
Ein Montag im Emsland. Nebel über den Feldern, stillgelegte Pläne, vorsichtige Aufbrüche. Die Wege von sechs Menschen kreuzen sich im Schatten eines Schlachthofs – verbunden durch Arbeit, Einsamkeit und Abhängigkeiten. Nava Ebrahimi erzählt mit großer Klarheit von der Brutalität des Alltags und den Rissen in vermeintlicher Normalität. Der neue Roman ist eine eindringliche Erkundung dessen, was uns trennt – und was uns trotzdem verbindet.
In einem Heim für behinderte Jugendliche im Thüringen der 1970er Jahre beschließen vier Freunde, die sich kaum bewegen können, auszubrechen und eine Kommune zu gründen. Von der Kirche bekommen sie ein altes Pfarrhaus. Eine Gemeinschaft der Gleichen, in der alles geteilt wird, Geld und Bücher, Platten und Bier, aber auch alle Gebrechen. Als die DDR zusammenbricht, wird klar, dass es auch die Mauer war, die diese Gemeinschaft zusammengehalten hat.
Bertolt Brechts 1943 uraufgeführtes Drama »Leben des Galilei« ist eine dialektisch-materialistische Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis zwischen Wissenschaft, Macht, individueller Verantwortung und Opportunismus. Im Zentrum steht der Astronom und Physiker Galileo Galilei, dessen empirisch begründete Bestätigung des kopernikanischen Weltbildes – das die Sonne und nicht die Erde als Zentrum des Universums begreift – in fundamentalen Widerspruch zu den dogmatischen Vorstellungen der katholischen Kirche tritt. Die Ungleichheitsforscherin und Autorin Martyna Linartas und Podcaster und YouTuber Wolfgang M. Schmitt diskutieren über das Meisterwerk und dessen Aktualität.
Zum Abschluss seiner Kaiserslauterer Trilogie erzählt Christian Baron von einer Welt, die Frauen alles verspricht, gegen deren unsichtbare Mauern die drei Schwestern aus »einfachen Verhältnissen« in der Klassengesellschaft aber unablässig anrennen müssen.
Nach einem beruflichen Zusammenbruch fängt die Protagonistin in Verena Keßlers Roman neu an – an der Theke des MEGA GYM, in dem alles glänzt: Körper, Oberflächen, Versprechen. Ihr eigener Körper passt noch nicht ins Bild, doch das lässt sich ändern.
Zwei Freundinnen, ein Traum: raus aus Moskau, rein ins Leben. Denn während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, muss sich der andere mittellos durchs Leben schummeln. Auch die beiden Studentinnen Karina und Tonya schlagen sich mit Charme und Überlebenskunst durch Putins Russland – zwischen kaputtem System und der Sehnsucht nach Freiheit, zwischen Prekariat und Party.

Clemens Böckmann »Das richtige Leben des Alvaro Maderholz« Im Gespräch mit Wiebke Porombka Am einen Anfang, noch während Rauchschwaden über den chilenischen Präsidentenpalast

Karosh Taha »Gulistan« Im Gespräch mit Lena Gorelik Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen

Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Mithu Sanyal über »Sturmhöhe« von Emily Brontë Liebe, Rache, Tod und Sinnlichkeit: »Sturmhöhe« (»Wuthering Heights«) ist der

Valeria Gordeev »Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle« Moderation: Miriam Zeh Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen

Cécil Ludwig Röski im Gespräch mit Kay Matter König Dedo II. von Sachsen hat ein Imageproblem: zu schlaksig, zu queer, zu introvertiert. Während

Ulrich Peltzer im Gespräch mit Helmut Böttiger Es ist das Jahr 1832. Évariste Galois, 20 Jahre alt und unglücklich verliebt, stirbt an den

Miku Sophie Kühmel »Hannah« Marianne Ludes »Trio mit Tiger« Zwei Romane, zwei historische Szenen und ein gemeinsamer Blick auf Kunst im Ausnahmezustand. Miku

Mit Wolfgang M. Schmitt und Laura de Weck Vor 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. 1961 veröffentlichte sie unter dem Titel »Das dreißigste

Moderation Insa Wilke Drei Leben am Rand. Ein Mädchen, überzeugt, kein Kind mehr zu sein, verbringt einen Sommer voller Widersprüche, ihr einziger Freund

Briefe von Autor:innen im Exil Mit Francesca Melandri und Lina Atfah. Einspieler von Shamsia und Nino Haratischwili Moderation Ulrike Almut Sandig »Schreib mir,

Mit Wolfgang M. Schmitt und Maxim K.I.Z. Kaum ein Roman war in den vergangenen 35 Jahren so prägend wie »American Psycho« von Bret

Mark Terkessidis in Diskussion mit Nils Schniederjann Wann beginnt Faschismus? Dieser Frage geht der Autor und Psychologe Mark Terkessidis in seinem Buch »Gewalt

Moderation Marlen Hobrack Marcins Kindheit war vor allem durch eines geprägt: seine Mutter. Zusammen lebt er mit ihr in einer kleinen Wohnung, die wenig

Im Gespräch mit Jörg Magenau Schriftstellerinnen und Schriftsteller schreiben Bücher. Doch irgendwann blicken sie auf ein Werk zurück. Das Werk aber ist mehr als

Moderation David Zabel Es lesen Amina Eisner und Asad Schwarz-Msesilamba Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef

Sven Beckert im Gespräch mit Ann-Kristin Tlusty Sven Beckert verortet die Anfänge des Kapitalismus in seiner monumentalen Publikation »Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution« (2025) bereits im

Moderation Knut Elstermann Anke Engelmann zeichnet das traurig-komische Leben des Hannes Bohn nach, der durch die DDR-Geschichte stolpert. Er will eigentlich als Künstler

Im Gespräch mit Lea Streisand Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und nichts

Moderation Gesa Ufer Im Jahr 1983 reist die junge polnische Psychologin Wanda Karłowska nach Venedig, um den dort im Exil lebenden Henryk Mrugalski zu

Moderation Natascha Freundel Die sechzehnjährige Nelka, die 1941 aus Lemberg verschleppt und zur Arbeit auf einem norddeutschen Gut gezwungen wird, muss in der Küche,

Moderation Maria-Christina Piwowarski Über Nacht verändern sich die Straßen von Wolnopol: Dünen wehen über die Promenade, künstlich anmutende Wirbelstürme reißen Schneisen durch die ukrainische

Moderation: Miriam Zeh Ein Gummibärchen essen: heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin

Helene Hegemann »Striker« – und frühere Texte mit Schauplatz Berlin Im Gespräch mit Annett Gröschner In »Striker« entwirft Helene Hegemann ein wuchtiges, gegenwärtiges

Im Gespräch mit Jörg Magenau Schriftstellerinnen und Schriftsteller schreiben Bücher. Doch irgendwann blicken sie auf ein Werk zurück. Das Werk aber ist mehr als

Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Achim Truger über »Holzfällen« von Thomas Bernhard Wir leben in einer Empörungsgesellschaft, lautet eine von vielen Gegenwartsdiagnosen. Assoziiert wird damit

Politik und Ästhetik der Parole Daphne Weber im Gespräch mit Korbinian Frenzel Die »Parole« ist ein Schimpfwort, mit dem man die Kommunikation politisch

Moderation Jan Drees Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus Zwischen Workout, Skincare und Content lebt Monique, genannt Mon, in einer Sphäre größtmöglicher Perfektion. Doch ihre

Claudia Cabrera im Gespräch mit Monika Melchert Anna Seghers konnte sich mit ihrer Familie in letzter Minute aus Marseille nach Mexiko retten und

Buchpremiere: Esther Becker »Notfallkontakte«. Im Gespräch mit Anke Stelling Eine Frau trennt sich. Endlich. Eine andere pinkelt in den Schnee. Schwarze Löcher öffnen

Moderation Doris Akrap Belgrad, 1942: Am Tag, an dem das okkupierte Serbien für »judenfrei« erklärt wird, streift Isak Ras ein letztes Mal durch

Moderation Maha El Hissy Ein Montag im Emsland. Nebel über den Feldern, stillgelegte Pläne, vorsichtige Aufbrüche. Die Wege von sechs Menschen kreuzen sich

Moderation Marion Brasch In einem Heim für behinderte Jugendliche im Thüringen der 1970er Jahre beschließen vier Freunde, die sich kaum bewegen können, auszubrechen

Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Martyna Linartas über »Leben des Galilei« von Bertolt Brecht Bertolt Brechts 1943 uraufgeführtes Drama »Leben des Galilei«

Moderation: Cornelia Geißler Die drei Schwestern in Christian Barons neuem Roman sehnen sich nach jener großen Freiheit, die im Westdeutschland der Achtzigerjahre ein

Moderation Mascha Jacobs Nach einem beruflichen Zusammenbruch fängt die Protagonistin in Verena Keßlers Roman neu an – an der Theke des MEGA GYM,

Moderation: Chris Möller Zwei Freundinnen, ein Traum: raus aus Moskau, rein ins Leben. Denn während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der