Emine Sevgi Özdamar und Deniz Utlu im Gespräch mit Martina Wunderer
»1949. In einer Provinzstadt in Anatolien mit 4000 Einwohnern lerne ich die Welt sehen. Bin 6 Jahre alt. […] Ich empfinde die maßlose Größe der Welt und weiß, dass ich fort und weit weg gehen werde.« So schreibt Tezer Özlü 1981 an den Deutschen Akademischen Austauschdienst, kurz bevor sie mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin gehen wird. Bereits ein Jahr zuvor gelang es ihr im Roman »Die kalten Nächte der Kindheit« – nun neu ins Deutsche übersetzt von Deniz Utlu –, diese Bilder des Heranwachsens aus ihrer dunklen, sehnsüchtigen Tiefe zu heben, mit flirrend schwebenden Sätzen, die fest und zerbrechlich, schwer und leicht zugleich sind. Als Erwachsene findet die Erzählerin im Beobachten und Flanieren in Berlin, Paris und Zürich, in der Sprache und im Schreiben die erträumte Freiheit, kämpft voller Widerstandskraft gegen die Bitterkeit der Welt und deren trillerpfeifende und psychiatrische Sortierungen an: um mit Literatur einen eigenen Raum für feinere Wahrnehmung zu finden, in dem es sich leben lässt.
In der Türkei längst viel gelesen und verehrt, wird »Tezer Özlüs Weltliteratur« – wie die Berlin Review No. 15 voller Hochachtung zusammenfasst – nun endlich auch in Deutschland wahrgenommen. An diesem Abend spricht die Lektorin Martina Wunderer mit der Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar und dem Autor und Übersetzer des Romans Deniz Utlu über ihre Lektüren dieser großen literarischen Wiederentdeckung.
Tezer Özlü »Die kalten Nächte der Kindheit«, Suhrkamp 2025










