
Gedichtbände des Jahres 2026
Ausgewählt und vorgestellt von Antje Schmidt Nea Schmidt und Alexander Schnickmann in Lesung und Gespräch Die deutschsprachige Lyriklandschaft ist derzeit so experimentierfreudig und
Die deutschsprachige Lyriklandschaft ist derzeit so experimentierfreudig und spannend – und auch politisch – wie selten zuvor. An diesem Abend lässt sich ein besonderer Einblick in sie gewinnen: Wir haben die Wissenschaftlerin und Kritikerin Antje Schmidt nach ihren fünf ganz persönlichen Highlights des bisherigen Jahres gefragt. Herausgekommen sind nachdrückliche Lektürehinweise auf Gedichtbände, die im Laufe des Jahres erschienen sind und besonders zu überzeugen wissen: das Fanbook einer kundigen und neugierigen Leserin im Jahr 2026.
Antje Schmidt spricht mit dem zuletzt mit dem Deutschen Preis für Nature Writing ausgezeichneten Lyriker Alexander Schnickmann über seinen spacig-romantischen Band »Gestirne« und mit der Dichterin, Essayistin und Übersetzerin Nea Schmidt über ihren mit allem verflochtenen Debütband »Sprechen in Flechten«. Die anderen ausgewählten Veröffentlichungen werden in Kurzvorstellungen auf die Bühne gebracht.
1931 berichtet Herbert Günther im Scherl´s Magazin direkt aus dem Romanischen Café: »Es ist hoch, rauchig, laut und alles andere als gemütlich, aber es hat eine eigenartige Anziehungskraft. Viele hocken täglich hier in ihrer Ecke. Der Malerstammtisch um Max Slevogt und Emil Orlik ist der einzige prominente Berliner Café-Stammtisch. Man liest und dichtet, zeichnet, flirtet, komponiert, raucht, diskutiert und macht Geschäfte. Alles kennt sich, schätzt sich oder hasst sich.« Christian Buckard zeichnet in seinem neuen Buch die Geschichte des Romanischen Cafés nach mit zahlreichen bislang unbekannten Berichten von internationalen Gästen. Ein hervorstechendes Kapitel widmet sich dem früh aufkommenden Antisemitismus, worunter bereits zu Beginn der 1930er Jahre die Bewohner des Romanischen Cafés zu leiden hatten.
Der Autor und Filmemacher Christian Buckard spricht mit der Autorin und Journalistin Shelly Kupferberg über dieses einzigartige – und weltberühmte – Berliner Caféhaus.
Annett Gröschner im Gespräch mit Jürgen Kuttner über die nächste spektakuläre Neuentdeckung aus dem Nachlass Sebastian Haffners.Es liest Lia von Blarer
Es wird ein Geheimnis bleiben, warum der berühmte Historiker Sebastian Haffner (1907–1999) sein bewegendes Memoir »Geschichte eines Deutschen« (2001) und die Novelle »Abschied« (2025), beide Nr. 1-Bestseller, zu Lebzeiten nicht veröffentlicht hat. Nun erscheint ein weiterer Roman aus dem Nachlass, mit dem er uns einmal mehr in das Berlin der 1920er Jahre entführt: »Die Tochter«.
Die sechzehnjährige Lulli Langfuß will kurze Haare, ausgehen, frei sein. Doch in Lichterfelde schleichen ihr labiler Vater, die herrische Tante Viktoria und eine uralte Großtante in Filzschuhen durchs Haus, träumen vom Kaiser und zeigen der Zeit, »dass sie nichts von ihr wissen wollen«. Als Lulli auf einem Tanzfest den zynischen Arvid kennenlernt, beginnt sie offen zu rebellieren und bringt damit die bürgerliche Fassade ihrer Familie in Gefahr.
In ihrem neuen Buch, das sie nur bei dieser exklusiven Veranstaltung in Deutschland vorstellt, analysiert Neiman die aktuelle Krise der Demokratie aus moralphilosophischer Perspektive und zeigt, wie die Normalisierung von Fehlverhalten das Vertrauen in den Rechtsstaat untergräbt und zur Erosion gemeinsamer Werte führt. Doch die Klage vom Katheder ist nicht ihr Metier: Als Direktorin des Einstein-Forums hat Susan Neiman immer wieder leidenschaftlich in öffentliche Debatten eingegriffen und scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Also zum Beispiel, warum Trump nicht »autoritär«, sondern »böse« genannt werden sollte, und wieso Moral befremdlich oft als Schimpfwort verstanden wird. Das diskutiert die Philosophin gemeinsam mit dem Autor und Journalisten Dietmar Dath.
Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter Johanna im fernen Japan erreicht Hanaka Wochen zu spät. Sie reist nach Kobe, um Johannas Modeatelier aufzulösen. In einer unvollendeten Leinenjacke findet sie ein ganzes Bündel Luftpostbriefe – von einem einzigen Absender, dem Berliner Maler Kusmín. Offenbar haben die beiden nach Johannas Wegzug aus Berlin über zwanzig Jahre eine intime, innige Brief-Beziehung geführt. Die überraschte Hanaka begibt sich auf eine Spurensuche, die sie auch in ihre eigene Vergangenheit führt.
Hana ist Bildhauerin, Mitte dreißig, und mit ihren unerfüllten Wünschen und verdrängten Bedürfnissen gerade erst aus dem inneren »Schrank« – dem gleichnamigen Debütroman der Autorin – in die Welt gestolpert. Auf der Suche nach einem gangbaren Weg durchs Leben bewegt sie sich zwischen der Prager Intellektuellenbubble und einem mährischen Dorf, zwischen internationaler Kunstszene und städtischer Peripherie. Aus diesen Polen entsteht ein reißender Strom aus Gedanken, Eindrücken und Emotionen.
Über das Schreiben in der Autokratie und im Exil
Mit Irina Scherbakowa, Marko Vidojković, Stella Gaitano, Can Dündar. Moderiert von Paul-Henri Campbell. In freiheitlichen Staaten genießen Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Journalist:innen samt ihrem Schaffen den Schutz der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit. Was aber, wenn dieser Schutz in Frage gestellt wird – oder ohnehin nie bestanden hat? Was bedeutet es, gegen den Widerstand eines Regimes anschreiben zu müssen – ästhetisch, politisch und persönlich? Vier Autor:innen aus Russland, Serbien, der Türkei und dem Sudan berichten von ihren Erfahrungen und geben Einblicke, was es heißt, unter dem Druck der Unfreiheit zu recherchieren, zu schreiben und zu veröffentlichen.
Tobias Lehmkuhl »Keine von uns: Das Leben der Irmgard Keun«
Der Autor im Gespräch mit Janika Gelinek
Mit Mitte zwanzig wird Irmgard Keun über Nacht zum Star: In »Gilgi – eine von uns« oder »Das kunstseidene Mädchen« porträtiert sie aufstrebende, emanzipierte Frauen der Weimarer Republik – doch dann übernehmen die Nazis die Macht, Keun wird zur verfemten Autorin. Unerschrocken klagt sie gegen die Nazis, emigriert schließlich nach Amsterdam, führt im Exil eine stürmische Beziehung mit Joseph Roth und pflegt Freundschaften mit Heinrich Mann und Stefan Zweig. 1940 kehrt sie zurück nach Deutschland, doch es gelingt ihr nicht, an den Erfolg der Vorkriegsjahre anzuknüpfen. Erst in den letzten Jahren vor ihrem Tod 1982 wird ihr Werk in der Bundesrepublik wiederentdeckt – und bis heute gelesen.
Erzählerisch mitreißend entfaltet der Autor und Literaturkritiker Tobias Lehmkuhl Irmgard Keuns Biografie und unterhält sich darüber mit Janika Gelinek, Co-Leiterin des Literaturhaus Berlin.
Wer mag, kommt im Anschluss mit auf einen kurzen Spaziergang zu Irmgard Keuns Geburtshaus in der Meinekestraße 6, in unmittelbarer Nachbarschaft des Literaturhaus Berlin.
Tobias Lehmkuhl »Keine von uns: Das Leben der Irmgard Keun«, Rowohlt 2026
Die Autorin im Gespräch mit Kathleen Reinhardt und einer Lesung von Veronika Bachfischer
in englischer Sprache
Zwei Männer begegnen sich in Venedig. Der eine ist ein junger englischer Künstler, der mittellos aus London geflohen ist. Der andere ist der visionäre Danilo Donati, Kostüm- und Szenenbildner von Pasolini und Fellini, der Magier des italienischen Kinos. Die beiden trifft ihr Begehren unmittelbar, sie reisen nach Rom, geben sich der berauschenden Traumwelt der Cinecittà hin und tauchen zwischen Leichtigkeit und Fantasie. Doch in den politisch angespannten »Bleiernen Jahren« (anni di piombo) Italiens führen exzessives Leben, Arbeiten und Lieben in ein zunehmend bedrohliches Labyrinth, in dem undurchsichtige Mächte erschreckend brutal agieren.
Vor der verführerischen Kulisse Italiens ist »Buch der Träume« ein hypnotischer Rausch, eine zärtliche Verführung und ein bezwingend schön erzählter Roman über Macht und Illusion, Einsamkeit und kompromissloses Begehren.
Mit der Leiterin des Georg Kolbe Museums und Kuratorin des Deutschen Pavillons der 61. Biennale di Venezia 2026 Kathleen Reinhardt spricht Olivia Laing über den Sehnsuchtsort Venedig, le belli arti und ihren neuesten Roman. Die deutschen Passagen liest die Schauspielerin Veronika Bachfischer.
Dora Kaprálovás Erzählerin reist in die slowenische Kleinstadt Maribor, um einen Reiseführer zu schreiben, beschließt jedoch stattdessen, die Stadt aus der Perspektive einer Fliege kennenzulernen. Gestalten der Gegenwart wie der Gitarrist Jim, der US-amerikanische Hofnarr Timo oder die 80-jährige Hostesse Daša, die Putin als einen Retter sieht, sowie historische Figuren des 20. Jahrhunderts treten auf, insbesondere Josip Broz Tito, der umstrittene »wohlmeinende Diktator«, der Schriftsteller Hašek und der Dramatiker Wedekind. Die kaleidoskopische Perspektive aus der Sicht eines Insekts ermöglicht eine originelle Erzählweise, in der sich Fakten und Fiktion miteinander verflechten und eine hypnotische Wirkung erzeugen.
Mit diesem Roman gelingt der Autorin ein außergewöhnlicher Blick auf den Balkan und Europa sowie auf eine wenig beachtete Stadt, unter der die Drau dunkel dahinfließt. Mit der Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Katrin Schumacher spricht Dora Kaprálovás über Magie, Macht und die Kraft der Illusion. Es liest der Schauspieler Stephan Wolf-Schönburg.
Eine Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung durch das Tschechische Zentrum Berlin
Frauen werden älter, immer noch. Und immer noch kursieren Metaphern wie »gut gehalten«, und das fragwürdige »noch« in einem vermeintlichen Kompliment: »Für ihr Alter sieht sie aber noch gut aus!« Die Reihe »Eine Frau wird älter« beschäftigt sich mit diesen Überbleibseln eines Frauenbildes, dem vor allem Schönheit, vulgo: Fuckability zugrunde liegt, und wendet sich dann mit Esprit und Lebenserfahrung anderen Fragen zu: Bleibt das jetzt so? Womit muss man sich abfinden und womit nicht? Könnte man nicht einfach unter der überbewerteten Metapher »Wechseljahre« durchtauchen? Ist es nicht überhaupt toll, schon so lange durchgehalten zu haben?
Sollen sich doch die anderen altersgemäß verhalten, wir leuchten!
Zwei Großmeisterinnen des entspannten Älterwerdens, die Musikerin Christiane Rösinger und die Journalistin Silke Burmester, untersuchen brauchbare und unbrauchbare Metaphern rund ums weibliche Altern in einer neuen Ausgabe unserer Reihe, es moderiert die Journalistin Bascha Mika.
Wir sind keine Christen, sagen die Leute, Christus kam nur bis Eboli. Diese berühmten Sätze fallen in Carlo Levis gleichnamigem Memoir, in dem erstmals der süditalienische Landstrich Lukanien porträtiert wird: Eine Region, in der die Straße und die Bahngleise die Küste von Salerno und das Meer hinter sich lassen und ins Nirgendwo führen. 1945 erstmals erschienen und seitdem zu Weltruhm gelangt, begründete Levi mit seinem Buch die literarische Ethnographie: Emphatisch begegnet er dem entbehrungsreichen Leben der Bauern im Mezzogiorno, lernt ihren Alltag und ihre Sorgen ebenso kennen wie ihre magischen Bräuche und uralten Traditionen.
Am einen Anfang, noch während Rauchschwaden über den chilenischen Präsidentenpalast ziehen und die Nachricht vom Tod Salvador Allendes die Runde macht, ertönt der erste Schrei eines Kindes. Am anderen Anfang stößt der Schriftsteller Clemens Böckmann bei einem Forschungsprojekt im österreichischen Eisenerz zufällig auf die Spur eines tödlich verunglückten skispringenden Dichters. Und dazwischen entfaltet sich das ganze, nämlich das richtige Leben des Alvaro Maderholz, der beim Absprung von der Skisprungschanze der Schwerkraft der eigenen, von Krieg, Exil und Ideologie gezeichneten Familiengeschichte zu entfliegen hoffte.
Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen alles nimmt und nichts kennt als die Sprache der Gewalt? Gulistan und ihr Mann Çiya werden unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger.
Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Mithu Sanyal über »Sturmhöhe« von Emily Brontë
Liebe, Rache, Tod und Sinnlichkeit: »Sturmhöhe« (»Wuthering Heights«) ist der einzige Roman der britischen Schriftstellerin Emily Brontë. Das 1847 unter einem Pseudonym veröffentlichte Werk schrieb Weltliteraturgeschichte und wurde immer wieder verfilmt – zuletzt sorgte die Adaption von Emerald Fennell für Aufsehen. Im Zuge der BookTok-Trends um #YoungAdult und #DarkRomance erlebt der Roman unter jungen Lesern eine erstaunliche Renaissance. »Sturmhöhe« handelt von drei Familien, emotionalen Abhängigkeiten, unbändiger Liebe, ungezügelter Lust und von menschlichen Abgründen. Emily Brontë treibt die Romantik ins Extrem. Die Schriftstellerin Mithu Sanyal (»Identitti«, »Antichristie«) und Wolfgang M. Schmitt diskutieren über Brontës Meisterwerk und dessen Bezüge zur Gegenwart: Welche Geschlechterbilder bestimmen noch immer die Liebes(un)ordnung?Und ist die romantische Liebe überhaupt noch zu retten?
Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester Lada in Berlin mit einer Sanierung, die ihr Wohnhaus unbewohnbar macht. Auch versteht sie nicht, warum ihr Bruder nach Kriegsbeginn in Moskau geblieben ist, doch steckt Konstantin bis zum Hals in Schwierigkeiten, an denen sein Patenonkel nicht unschuldig ist, ein Oligarch mit transhumanistischen Ambitionen, der auch Lada in Bedrängnis bringt.
König Dedo II. von Sachsen hat ein Imageproblem: zu schlaksig, zu queer, zu introvertiert. Während er von Schloss Buzickitz aus übers Handy regiert und die Öffentlichkeit meidet, bricht sein Privatleben zusammen. Sein Partner Marfa verlässt ihn und die erzkonservativen Medien ziehen über ihn her. Also beginnt er zu pumpen, um sich als Monarch zu behaupten. Sein Ziel: Ein Herrscher aus Muskelmasse. Doch weder Medienskandale, Liebeskummer noch seine völlig unroyale Schwester lassen sich wegtrainieren und der selbsternannte Thronfolger Gero bringt sich in Stellung.
Es ist das Jahr 1832. Évariste Galois, 20 Jahre alt und unglücklich verliebt, stirbt an den Folgen eines Bauchschusses. In der Nacht vor dem tödlichen Duell bringt der junge Gelehrte noch schnell eine mathematische Theorie zu Papier. Sie wird den gerade erst aus der Haft entlassenen Revolutionär und Königsgegner weltberühmt machen. Galois‘ Geschichte hat alles, was es für einen packenden Kostümfilm braucht. Zu erleben ist dieser Film vorerst aber nur in den Imaginationen und Reflexionen eines Drehbuchautors, über den Ulrich Peltzer erzählt, wie er in einer schlaflosen Nacht zwischen französischer Julirevolution und eigener Gegenwart hin- und herspringt.
Derzeit stehen viele Bereiche des Berliner Kulturlebens unter wachsendem Druck. Die kulturpolitischen Entscheidungen der kommenden Legislaturperiode werden daher mitbestimmen, welche Rolle Kunst und Kultur künftig für diese Stadt spielen.
Das Gespräch versteht sich als öffentliches Forum für eine grundlegende kulturpolitische Debatte. Eingeladen sind die Spitzenkandidat:innen, weil Kulturpolitik nicht nur eine Frage einzelner Ressorts ist, sondern die politische Verantwortung für die Stadt als Ganzes berührt. Im Fokus stehen die Zukunft der Berliner Kulturlandschaft, Perspektiven für die freie Szene und die Institutionen sowie faire Arbeitsbedingungen für Künstler:innen.
Zwei Romane, zwei historische Szenen und ein gemeinsamer Blick auf Kunst im Ausnahmezustand. Miku Sophie Kühmel holt mit »Hannah« die Liebes- und Arbeitsgemeinschaft von Hannah Höch und Til Brugman aus dem Schatten des Dada und öffnet den Kanon für queere Perspektiven. Marianne Ludes macht in »Trio mit Tiger« Quappi Beckmann zur unverzichtbaren Zeugin des Exils. Beide korrigieren Blindstellen mit Archivmaterial und literarischem Zugriff. Ein unmoderiertes Gespräch über Nähe, Macht, Inspiration und die Frage, was Kunst tut, wenn die Welt kippt.
Hat das Buch ausgedient oder erlebt es nicht zuletzt durch »BookTok« eineneue Blütezeit? Wie können Schulen und Kultureinrichtungen dem Lesen wieder einen neuen Glanz verleihen? Und müssen wir Literatur zukünftig
vielleicht ganz anders denken?
Mit Wolfgang M. Schmitt und Laura de Weck
Vor 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. 1961 veröffentlichte sie unter dem Titel »Das dreißigste Jahr« einen Zyklus mit Erzählungen, deren zeitlose Schönheit erschüttert und deren Themenfelder mit uns heute räsonieren. Nach dem Krieg beginnt für die österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin eine neue Zeitrechnung. Die Jahre sind geprägt von Anpassung und Abstumpfung, von gewaltförmigen Strukturen. Viele Figuren stecken fest in einer alten Sprache und damit in der Vergangenheit. Zugleich vernehmen wir – etwa in der Erzählung »Undine geht« – eine radikale Stimme des Feminismus, die Aufbruch und Ausbruch verheißt. Die Texte sind jedoch weit entfernt davon, historische Dokumente längst überkommen geglaubter Konflikte zu sein, handeln sie doch von den Zumutungen, die das Subjekt in der bürgerlichen Gesellschaft erfährt, vom erschöpften Selbst, lange schon, bevor der Neoliberalismus sich ausbreitete, und von Kollaboration, wo Verweigerung nötig gewesen wäre.
Besprochene Titel:
Hatice Açıkgöz (Hg.) »LITERARISCH SOLIDARISCH – Perspektiven auf einen neuen Literaturbetrieb«, Verbrecher Verlag 2026
Birgit Birnbacher »Sie wollen uns erzählen«, Zsolnay 2026
Jens Balzer »Confusion is Next«, Rowohlt Berlin 2026
Briefe von Autor:innen im Exil
In den versammelten Briefwechseln aus fast 10 Jahren Weiter Schreiben erleben wir mit, wie sich zwischen Schriftsteller:innen über persönliche und politische Grenzen hinweg tiefe Verbindungen entwickeln. Diese Briefe sind mehr als Erinnerungen – sie sind literarische Zeitdokumente, in denen die persönlichen Schicksale mit weltpolitischen Ereignissen verwebt werden. Und sie zeigen: Wenn wir es wollen, können wir uns miteinander verbinden.
Mit Wolfgang M. Schmitt und Maxim K.I.Z.
Kaum ein Roman war in den vergangenen 35 Jahren so prägend wie »American Psycho« von Bret Easton Ellis. Autoren wie Michel Houellebecq oder Christian Kracht verdanken dem Autor viel, von den Ellis-Epigonen ganz zu schweigen. Der Skandalroman, der in Deutschland zeitweise auf dem Index landete, schildert in drastischen Worten nicht nur eine Welt jenseits von Gut und Böse, die 1991 an der Wall Street anzutreffen war, sondern antizipierte bereits eine Gesellschaft, die mit dem Nichts jongliert, die die Trennung zwischen Realität und Fiktion nicht weiter benötigt und einen finanzialisierten Kapitalismus, der sich von der Realwirtschaft abkoppelt.
Besprochene Titel:
Malou Bichon »Musenrausch«, Loewe 2025
Julia Cimafiejeva »Blutkreislauf«, aus dem Belarussischen von Tina Wünschmann, edition.fotoTAPETA 2025
Heike Geißler »Michaela Kohlhaas«, Suhrkamp 2026
In der Reihe »Zum Werk. Gespräche über das Ganze« gibt Eugen Ruge Auskunft über seinen literarischen Werdegang, von den Theaterstücken, mit denen er begann, über seinen 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Bestseller »In Zeiten des abnehmenden Lichts« bis zu dem zuletzt erschienenen Roman »Pompeji«. Zum Werk gehören auch die von ihm herausgegebenen Russland-Erinnerungen seines Vaters Wolfgang Ruge, Hörspiele und Tschechow-Übersetzungen.
Gibt es ein schlimmeres Gefühl, als verliebt zu sein und nicht zurückgeliebt zu werden? Ist das dann überhaupt Liebe oder nur spektakulär idiotische Selbstillusionierung? Wie kommt man da wieder raus? Und welchen Trost gibt es – wenn man mehr braucht als die handelsüblichen Liebeskummer-Accessoires Taschentücher, Schokolade, Alkohol und Seriengucken? Für alle unglücklich Verliebten: Das ist euer Abend! Für alle glücklich Verliebten: Freut euch (unauffällig) eures Glückes und kommt auch! Es erwarten euch die Autorinnen in der Manege, durch den Abend führt die Autorin und Journalistin Katja Kullmann.
Besprochene Titel:
Judith Schalansky »Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist«, Suhrkamp 2026
Emy Koopman »Leichter Wahnsinn«, aus dem Niederländischen von Ruth Löbner, Weissbooks 2026
Siri Hustvedt »Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung«, aus dem Englischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald, Rowohlt 2026
Im Gespräch mit dem Autor und Mitherausgeber der Grazer Literaturzeitschrift manuskripte, Andreas Unterweger, begegnen sich mit Matthias Göritz (USA/Deutschland), Volha Hapeyeva (Belarus/Deutschland), Anna Talens (Spanien/Deutschland) und Kinga Tóth (Ungarn/Österreich) vier künstlerische Positionen mit vier unterschiedlichen Perspektiven auf Europa. Gemeinsam feiern wir und hören uns an, welche Geschichten sie uns heute erzählt, Europa – die mit der weiten Sicht.
Volker Kutscher! Zehn Bände in sechszehn Jahren so schreiben, dass keiner von ihnen abstinkt und wir bis zum Ende wissen wollen, welche Figuren sich treu bleiben. Wer umfällt, korrupt wird, betrügt, verrät, liebt, heiratet, verliert oder stirbt. Das muss ihm erst einmal ein anderer nachmachen. Der Gereon und Charlotte-Rath-Kosmos birgt noch so viel Unentdecktes. Hört Kutscher wirklich mit 1938 auf oder gibt es ein Wiedersehen? Die Ermittlungsmethoden der Polizei haben sich von Band zu Band verschärft. Hat sich das auf Volker Kutschers Schreiben ausgewirkt? Wie stellt er sich (seine) Zukunft vor? Auch darüber spricht er mit Christian Dunker in den Geistesblüten.
Internationally celebrated for his formally inventive fiction, Everett is less widely known for his painterly practice. Yet painting and drawing have long been central to his artistic life. In dialogue with Naomi Beckwith, Everett will reflect on the interplay between literature and visual art. Beckwith’s multidisciplinary curatorial approach, grounded in close collaboration with artists and expansive thinking about context and display, offers a compelling counterpart to Everett’s cross-genre practice.
Nur die Besten schreiben über’n Westen! In seinem Buch »Der Osten: eine westdeutsche Erfindung« (2023) thematisiert Dirk Oschmann die fremde, oft degradierende Perspektive der Alt- auf die Neu-Bundesbürger. Die Sicht der »Ossis« auf die »Wessis« dagegen fiel lange durch eine rosa Brille: Levis-Jeans und richtiger Kaffee, aber auch die im Osten verbotenen Bücher waren attraktiv. Doch was ist der wahre Wert des Westens?
Besprochene Titel:
Dana Grigorcea »Tanzende Frau, blauer Hahn«, Penguin 2026
Margaret Laurence »Glücklichere Tage«, aus dem amerikanischen Englisch von Monika Baark, Eisele 2026
Ben Lerner »Transkription«, aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl, Suhrkamp 2026
صفاء النباهين روائية وشاعرة وقائدة مشاريع ثقافية من غزة. تستكشف أعمالها الجوانب النفسية للحياة تحت الحصار، مركزةً على مواضيع الذاكرة والفقدان، وعلى فعل التحدي المتمثل في خلق الأمل وسط الدمار. ألّفت صفاء ثلاث روايات منشورة، أحدثها رواية „تبرأت مني“ التي أُطلقت مؤخرًا في معرض القاهرة الدولي للكتاب. خلال الحرب الأخيرة، أنجزت أيضًا رواية جديدة بعنوان „رسائل لم تصل بعد“، ومجموعة شعرية كاملة. إيمانًا منها
Safaa Al-Nabahin ist Schriftstellerin, Dichterin und Kulturprojektleiterin aus Gaza. Ihre Arbeit untersucht die psychologischen Landschaften des Lebens unter Belagerung und konzentriert sich auf Themen wie Erinnerung, Verlust und den trotzigen Akt, inmitten der Zerstörung Hoffnung zu schaffen. Sie ist Autorin von drei veröffentlichten Romanen. Ihr jüngstes Werk, »I Disowned I«, wurde gerade auf der Internationalen Buchmesse in Kairo vorgestellt. Über ihr Leben und Schreiben in Gaza spricht Safaa Al-Nabahin mit dem Autor Hisham Matar. Aus dem Arabischen dolmetscht Günther Orth.

Ausgewählt und vorgestellt von Antje Schmidt Nea Schmidt und Alexander Schnickmann in Lesung und Gespräch Die deutschsprachige Lyriklandschaft ist derzeit so experimentierfreudig und

Der Autor liest aus seinem neuen Buch; Moderation: Shelly Kupferberg 1931 berichtet Herbert Günther im Scherl´s Magazin direkt aus dem Romanischen Café: »Es

Sebastian Haffner »Die Tochter« Annett Gröschner im Gespräch mit Jürgen Kuttner über die nächste spektakuläre Neuentdeckung aus dem Nachlass Sebastian Haffners.Es liest Lia

Susan Neiman »Nennen wir es böse« Nachrichten hören oder lesen ist für viele Menschen zur Tortur geworden. Wie lässt sich eine Realität erfassen

Hanns Zischler »Yumikos Paravent« Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter Johanna im fernen Japan erreicht Hanaka Wochen zu spät. Sie reist nach

Tereza Semotamová »Radikale Bedürfnisse« Hana ist Bildhauerin, Mitte dreißig, und mit ihren unerfüllten Wünschen und verdrängten Bedürfnissen gerade erst aus dem inneren »Schrank«

Homecoming & Jubiläum Über das Schreiben in der Autokratie und im Exil Mit Irina Scherbakowa, Marko Vidojković, Stella Gaitano, Can Dündar. Moderiert von

Der Autor im Gespräch mit Janika Gelinek Mit Mitte zwanzig wird Irmgard Keun über Nacht zum Star: In »Gilgi – eine von uns«

Die Autorin im Gespräch mit Kathleen Reinhardt und einer Lesung von Veronika Bachfischer in englischer Sprache Zwei Männer begegnen sich in Venedig. Der

Die Autorin im Gespräch mit Katrin Schumacher. Den deutschen Text liest Stephan Wolf-Schönburg. Dora Kaprálovás Erzählerin reist in die slowenische Kleinstadt Maribor, um

Reihe Eine Frau wird älter Christiane Rösinger und Silke Burmester im Gespräch mit Bascha Mika Frauen werden älter, immer noch. Und immer noch

Claudia Durastanti im Gespräch mit Deniz Utlu und Martin Hallmannsecker Wir sind keine Christen, sagen die Leute, Christus kam nur bis Eboli. Diese

Clemens Böckmann »Das richtige Leben des Alvaro Maderholz« Im Gespräch mit Wiebke Porombka Am einen Anfang, noch während Rauchschwaden über den chilenischen Präsidentenpalast

Karosh Taha »Gulistan« Im Gespräch mit Lena Gorelik Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen

Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Mithu Sanyal über »Sturmhöhe« von Emily Brontë Liebe, Rache, Tod und Sinnlichkeit: »Sturmhöhe« (»Wuthering Heights«) ist der

Valeria Gordeev »Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle« Moderation: Miriam Zeh Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen

Cécil Ludwig Röski im Gespräch mit Kay Matter König Dedo II. von Sachsen hat ein Imageproblem: zu schlaksig, zu queer, zu introvertiert. Während

Ulrich Peltzer im Gespräch mit Helmut Böttiger Es ist das Jahr 1832. Évariste Galois, 20 Jahre alt und unglücklich verliebt, stirbt an den

Akademie-Gespräche Was ist Berlin die Kultur wert? Die Berliner Spitzenkandidat:innen im Zukunftsgespräch Der Rat für die Künste lädt die Berliner Spitzenkandidat:innen zum Kulturgespräch.

Miku Sophie Kühmel »Hannah« Marianne Ludes »Trio mit Tiger« Zwei Romane, zwei historische Szenen und ein gemeinsamer Blick auf Kunst im Ausnahmezustand. Miku

Hat das Buch ausgedient oder erlebt es nicht zuletzt durch »BookTok« eineneue Blütezeit? Wie können Schulen und Kultureinrichtungen dem Lesen wieder einen neuen

Mit Wolfgang M. Schmitt und Laura de Weck Vor 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. 1961 veröffentlichte sie unter dem Titel »Das dreißigste

»Berlins schönste Seiten« Folge 74 In Folge 74 ihres Podcasts sprechen Janika Gelinek, Sonja Longolius und Felix Müller, der Chef des Kulturressorts der

Briefe von Autor:innen im Exil Mit Francesca Melandri und Lina Atfah. Einspieler von Shamsia und Nino Haratischwili Moderation Ulrike Almut Sandig »Schreib mir,

Mit Wolfgang M. Schmitt und Maxim K.I.Z. Kaum ein Roman war in den vergangenen 35 Jahren so prägend wie »American Psycho« von Bret

»Berlins schönste Seiten« Folge 73 In Folge 73 ihres Podcasts sprechen Janika Gelinek, Sonja Longolius und Felix Müller, der Chef des Kulturressorts der

Im Gespräch mit Jörg Magenau Schriftstellerinnen und Schriftsteller schreiben Bücher. Doch irgendwann blicken sie auf ein Werk zurück. Das Werk aber ist mehr als

Emy Koopman und Miriam Metze im Gespräch mit Katja Kullmann über das Unglücklichverliebtsein Gibt es ein schlimmeres Gefühl, als verliebt zu sein und

»Berlins schönste Seiten« Folge 72 In Folge 72 ihres Podcasts sprechen Janika Gelinek, Sonja Longolius und Felix Müller, der Chef des Kulturressorts der

Europäischer Feiertag 2026 Ein Abend mit Matthias Göritz, Volha Hapeyeva, Anna Talens und Kinga Tóth. Es moderiert Andreas Unterweger Lesung, Gespräch, Film, Performance

Volker Kutscher! Zehn Bände in sechszehn Jahren so schreiben, dass keiner von ihnen abstinkt und wir bis zum Ende wissen wollen, welche Figuren

Crossroads #5 Literature meets Art The author in conversation with Naomi Beckwith Der Pulitzer-Preisträger und Künstler Percival Everett spricht in Crossroads über die

Mit Aron Boks, Katja Lange-Müller, Tom Müller und Susanne Schädlich. Es moderiert die Herausgeberin Cornelia Geißler Nur die Besten schreiben über’n Westen! In

»Berlins schönste Seiten« Folge 71 In Folge 71 ihres Podcasts sprechen Janika Gelinek, Sonja Longolius und Felix Müller, der Chef des Kulturressorts der
صفاء النباهين المؤلفة في حوار مع هشام مطر صفاء النباهين روائية وشاعرة وقائدة مشاريع ثقافية من غزة. تستكشف أعمالها الجوانب النفسية للحياة تحت
literaturkanal.tv präsentiert im Podcast Safaa Al-Nabahin Die in Gaza lebende Autorin im Gespräch mit Hisham Matar Auf Arabisch mit deutscher Simultandolmetschung von Günther