»Sie verlassen den heteronormativen Sektor«

»Sie verlassen den heteronormativen Sektor«

Lesung & Gespräch mit Jayrôme C. Robinet und Christina Ernst | ZfL Berlin

Als Autofiktion werden Texte verstanden, in denen das Ich zu Welt und Gesellschaft ins Verhältnis gesetzt wird, um soziale Prägungen und Machtverhältnisse sichtbar zu machen. Die Verankerung des Ichs in der Person der Autor*innen soll dabei für die Authentizität des Dargestellten bürgen – und mithin für dessen politische Brisanz. Welchen Stellenwert aber hat die Fiktion im Erzählen der eigenen Geschichte, wenn dieses den Anspruch hat, Realität darzustellen? Und ist das in den sozialen Medien inszenierte Autorsubjekt ebenso ›authentisch ausgedacht‹ wie sein textuelles Pendant, der*die Erzähler*in? In »Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund« (2019) dekonstruiert Jayrôme C. Robinet anhand seiner Transitionsgeschichte vermeintlich stabile Identitätskategorien wie Geschlecht, Herkunft und Alter als ›somapolitische Fiktionen‹ im Sinne Paul Preciados. Mit der Literaturwissenschaftlerin Christina Ernst (ZfL) spricht der Autor und Spoken Word-Künstler u.a. über den politischen Einsatz autofiktionaler Selbstverfremdung, das Verhältnis von transclasse- und transgenre-Narrativen und die queere Stadtgeschichte Berlins als psychogeographische Reflexionsfolie für das eigene Erzählen.

Die Veranstaltung fand am 14. Juni 2022 in der KollektivBar ES in Berlin-Neukölln statt. Sie ist Teil der Reihe »Spielräume der Gegenwartsliteratur« des Projekts »Stadt, Land, Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur« am ZfL, die zwischen April und Juni 2022 mit verschiedenen Kooperationspartnern in Berlin stattfand.

Weitere Sendungen

»Berlins schönste Seiten« Folge 12

»Berlins schönste Seiten« Folge 12 Janika Gelinek und Sonja Longolius, Leiterinnen des Literaturhaus Berlin, und Felix Müller, Chef des Kulturressorts der Berliner Morgenpost, unterhalten sich

»Vom Leben der Häuser«

»Vom Leben der Häuser« Andreas Schäfer und Hans-Dieter Nägelke im Gespräch mit Dorothea Westphal Wer kennt nicht das Gefühl beim Betreten eines Hauses oder Raumes,

Zaza Burchuladze »Zoorama«

Zaza Burchuladze »Zoorama« Mit Markus Uecker und Elias Kohl Moderation Toby Ashraf Eine junge georgische Familie mitten im grauen Winter Berlins. Exilanten, die ein neues Leben beginnen müssen und doch

»Berlins schönste Seiten« Folge 8

»Berlins schönste Seiten« Folge 8   Janika Gelinek und Sonja Longolius, Leiterinnen des Literaturhaus Berlin, und Felix Müller, Chef des Kulturressorts der Berliner Morgenpost, unterhalten