Gusel Jachina »Wolgakinder«

Lesung und Gespräch mit Gusel Jachina und Helmut Ettinger (Georg Dehio-Buchpreis 2020), Moderation: Silke Pasewalck

Im Rahmen von: »Shared Heritage« – gemeinsames Erbe Kulturelle Interferenzräume im östlichen Europa als Sujet der Gegenwartsliteratur

In ihrem Roman Wolgakinder (2019, im russischen Original Deti moi, 2018) versetzt Gusel Jachina ihre Leserinnen und Leser in die Zeit der 1910er bis 1930er Jahre im Wolgagebiet. Mit großer Fabulierkunst erzählt sie die Geschichte der Wolgadeutschen als literarisches Epos; sie wählt dabei die Perspektive eines Dorfschullehrers, der in den Revolutionswirren Witwer wird und in den Jahren des stalinistischen Terrors seine Kinder durchbringen muss. Damit erschließt sie für die russische Literatur ein Thema, das darin bisher kaum literarisch bearbeitet wurde. Und sie behandelt dieses Thema auf originelle Weise, indem sie den Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und Erbe am Schicksal einer ungewöhnlichen Familie nachgeht. Damit gelingt es der Autorin, die Veränderungen und Gewalterfahrungen, denen die Minderheit der Wolgadeutschen in der Frühphase der Sowjetunion ausgesetzt ist, auf unverstellte Weise zu zeigen.

Gusel Jachina »Wolgakinder« Aufbau Verlag, 2019

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft

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