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Sebastian Haffner »Die Tochter«

Annett Gröschner im Gespräch mit Jürgen Kuttner über die nächste spektakuläre Neuentdeckung aus dem Nachlass Sebastian Haffners.Es liest Lia von Blarer

Es wird ein Geheimnis bleiben, warum der berühmte Historiker Sebastian Haffner (1907–1999) sein bewegendes Memoir »Geschichte eines Deutschen« (2001) und die Novelle »Abschied« (2025), beide Nr. 1-Bestseller, zu Lebzeiten nicht veröffentlicht hat. Nun erscheint ein weiterer Roman aus dem Nachlass, mit dem er uns einmal mehr in das Berlin der 1920er Jahre entführt: »Die Tochter«.

Die sechzehnjährige Lulli Langfuß will kurze Haare, ausgehen, frei sein. Doch in Lichterfelde schleichen ihr labiler Vater, die herrische Tante Viktoria und eine uralte Großtante in Filzschuhen durchs Haus, träumen vom Kaiser und zeigen der Zeit, »dass sie nichts von ihr wissen wollen«. Als Lulli auf einem Tanzfest den zynischen Arvid kennenlernt, beginnt sie offen zu rebellieren und bringt damit die bürgerliche Fassade ihrer Familie in Gefahr.

Sebastian Haffners erster Roman, drei Jahre vor »Abschied« geschrieben und nun aus dem Nachlass freigegeben, ist ein Gesellschaftsroman, dem der Aufbruch und Überschwang der Weimarer Republik ebenso spürbar wird wie die Schizophrenie einer emotional verkümmerten Generation.

Zwei Ur-Berliner:innen, die Autorin Annett Gröschner und der Moderator Jürgen Kuttner, nehmen sich diesen bislang unveröffentlichten Berlin-Roman vor, die Schauspielerin Lia von Blarer bringt ausgewählte Passagen zu Gehör.

Sebastian Haffner »Die Tochter«, Hanser 2026

In ihrem neuen Buch, das sie nur bei dieser exklusiven Veranstaltung in Deutschland vorstellt, analysiert Neiman die aktuelle Krise der Demokratie aus moralphilosophischer Perspektive und zeigt, wie die Normalisierung von Fehlverhalten das Vertrauen in den Rechtsstaat untergräbt und zur Erosion gemeinsamer Werte führt. Doch die Klage vom Katheder ist nicht ihr Metier: Als Direktorin des Einstein-Forums hat Susan Neiman immer wieder leidenschaftlich in öffentliche Debatten eingegriffen und scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Also zum Beispiel, warum Trump nicht »autoritär«, sondern »böse« genannt werden sollte, und wieso Moral befremdlich oft als Schimpfwort verstanden wird. Das diskutiert  die Philosophin gemeinsam mit dem Autor und Journalisten Dietmar Dath.

Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter Johanna im fernen Japan erreicht Hanaka Wochen zu spät. Sie reist nach Kobe, um Johannas Modeatelier aufzulösen. In einer unvollendeten Leinenjacke findet sie ein ganzes Bündel Luftpostbriefe – von einem einzigen Absender, dem Berliner Maler Kusmín. Offenbar haben die beiden nach Johannas Wegzug aus Berlin über zwanzig Jahre eine intime, innige Brief-Beziehung geführt. Die überraschte Hanaka begibt sich auf eine Spurensuche, die sie auch in ihre eigene Vergangenheit führt.

Hana ist Bildhauerin, Mitte dreißig, und mit ihren unerfüllten Wünschen und verdrängten Bedürfnissen gerade erst aus dem inneren »Schrank« – dem gleichnamigen Debütroman der Autorin – in die Welt gestolpert. Auf der Suche nach einem gangbaren Weg durchs Leben bewegt sie sich zwischen der Prager Intellektuellenbubble und einem mährischen Dorf, zwischen internationaler Kunstszene und städtischer Peripherie. Aus diesen Polen entsteht ein reißender Strom aus Gedanken, Eindrücken und Emotionen.

Eva Menasse »Alleinruhelage«

Woher die freundschaftliche Ansprache »du altes Haus« kommt, ist etymologisch nicht eindeutig nachweisbar, doch wer braucht schon die Etymologie, wenn es einen so wunderbaren Roman gibt, der direkt mit einem alten Haus in Dialog tritt: Es steht allein in der Pampa »wie ein Gott oder Götze« und hat die Geschichte einer erst glücklichen und dann nicht mehr so glücklichen Familie nach dem Mauerfall genauso miterlebt wie die DDR, als es noch eine »Waldschänke« neben einem Campingplatz war.

Die Autorin im Gespräch mit Cathrin Kahlweit

Christian Buckard liest aus seinem neuen Buch; Moderation: Shelly Kupferberg

1931 berichtet Herbert Günther im Scherl´s Magazin direkt aus dem Romanischen Café: »Es ist hoch, rauchig, laut und alles andere als gemütlich, aber es hat eine eigenartige Anziehungskraft. Viele hocken täglich hier in ihrer Ecke. Der Malerstammtisch um Max Slevogt und Emil Orlik ist der einzige prominente Berliner Café-Stammtisch. Man liest und dichtet, zeichnet, flirtet, komponiert, raucht, diskutiert und macht Geschäfte. Alles kennt sich, schätzt sich oder hasst sich.« Christian Buckard zeichnet in seinem neuen Buch die Geschichte des Romanischen Cafés nach mit zahlreichen bislang unbekannten Berichten von internationalen Gästen. Ein hervorstechendes Kapitel widmet sich dem früh aufkommenden Antisemitismus, worunter bereits zu Beginn der 1930er Jahre die Bewohner des Romanischen Cafés zu leiden hatten.

Der Autor und Filmemacher Christian Buckard liest ausgewählte Passagen aus dem Buch und spricht mit der Autorin und Journalistin Shelly Kupferberg über dieses einzigartige – und weltberühmte – Berliner Caféhau

Die Autorin im Gespräch mit Kathleen Reinhardt und einer Lesung von Veronika Bachfischer

in englischer Sprache

Zwei Männer begegnen sich in Venedig. Der eine ist ein junger englischer Künstler, der mittellos aus London geflohen ist. Der andere ist der visionäre Danilo Donati, Kostüm- und Szenenbildner von Pasolini und Fellini, der Magier des italienischen Kinos. Die beiden trifft ihr Begehren unmittelbar, sie reisen nach Rom, geben sich der berauschenden Traumwelt der Cinecittà hin und tauchen zwischen Leichtigkeit und Fantasie. Doch in den politisch angespannten »Bleiernen Jahren« (anni di piombo) Italiens führen exzessives Leben, Arbeiten und Lieben in ein zunehmend bedrohliches Labyrinth, in dem undurchsichtige Mächte erschreckend brutal agieren.

Vor der verführerischen Kulisse Italiens ist »Buch der Träume« ein hypnotischer Rausch, eine zärtliche Verführung und ein bezwingend schön erzählter Roman über Macht und Illusion, Einsamkeit und kompromissloses Begehren.

Mit der Leiterin des Georg Kolbe Museums und Kuratorin des Deutschen Pavillons der 61. Biennale di Venezia 2026 Kathleen Reinhardt spricht Olivia Laing über den Sehnsuchtsort Venedig, le belli arti und ihren neuesten Roman. Die deutschen Passagen liest die Schauspielerin  Veronika Bachfischer.

Dora Kaprálovás Erzählerin reist in die slowenische Kleinstadt Maribor, um einen Reiseführer zu schreiben, beschließt jedoch stattdessen, die Stadt aus der Perspektive einer Fliege kennenzulernen. Gestalten der Gegenwart wie der Gitarrist Jim, der US-amerikanische Hofnarr Timo oder die 80-jährige Hostesse Daša, die Putin als einen Retter sieht, sowie historische Figuren des 20. Jahrhunderts treten auf, insbesondere Josip Broz Tito, der umstrittene »wohlmeinende Diktator«, der Schriftsteller Hašek und der Dramatiker Wedekind. Die kaleidoskopische Perspektive aus der Sicht eines Insekts ermöglicht eine originelle Erzählweise, in der sich Fakten und Fiktion miteinander verflechten und eine hypnotische Wirkung erzeugen.

Mit diesem Roman gelingt der Autorin ein außergewöhnlicher Blick auf den Balkan und Europa sowie auf eine wenig beachtete Stadt, unter der die Drau dunkel dahinfließt. Mit der Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Katrin Schumacher spricht Dora Kaprálovás über Magie, Macht und die Kraft der Illusion. Es liest der Schauspieler Stephan Wolf-Schönburg.
Eine Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung durch das Tschechische Zentrum Berlin

Am einen Anfang, noch während Rauchschwaden über den chilenischen Präsidentenpalast ziehen und die Nachricht vom Tod Salvador Allendes die Runde macht, ertönt der erste Schrei eines Kindes. Am anderen Anfang stößt der Schriftsteller Clemens Böckmann bei einem Forschungsprojekt im österreichischen Eisenerz zufällig auf die Spur eines tödlich verunglückten skispringenden Dichters. Und dazwischen entfaltet sich das ganze, nämlich das richtige Leben des Alvaro Maderholz, der beim Absprung von der Skisprungschanze der Schwerkraft der eigenen, von Krieg, Exil und Ideologie gezeichneten Familiengeschichte zu entfliegen hoffte.

Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen alles nimmt und nichts kennt als die Sprache der Gewalt? Gulistan und ihr Mann Çiya werden unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger.

Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester Lada in Berlin mit einer Sanierung, die ihr Wohnhaus unbewohnbar macht. Auch versteht sie nicht, warum ihr Bruder nach Kriegsbeginn in Moskau geblieben ist, doch steckt Konstantin bis zum Hals in Schwierigkeiten, an denen sein Patenonkel nicht unschuldig ist, ein Oligarch mit transhumanistischen Ambitionen, der auch Lada in Bedrängnis bringt.

Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Mit seinem Protagonisten Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist und dort als Lieferant arbeitet, verbindet Tomer Gardi diese Lieferantengeschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos und gibt denen eine Stimme, die in unserer Gesellschaft selbst keine haben. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit.

Drei Leben am Rand. Ein Mädchen, überzeugt, kein Kind mehr zu sein, verbringt einen Sommer voller Widersprüche, ihr einziger Freund ist ein Messer. Ein in die Jahre gekommener Outlaw begibt sich mit einer Leiche und einem Haufen Drogen im Gepäck auf einen Roadtrip. Und eine zum Tode verurteilte Frau wartet in ihrer Zelle auf die Hinrichtung, während ihre letzten Lebensstunden von einer Wärterin akribisch protokolliert werden. Drei Geschichten über das, was uns Menschen trotz allem verbindet: den Überlebenstrieb.

Heike Geißlers »Michaela Kohlhaas« ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt. Über ihren neuen Roman und die weibliche Wut spricht Heike Geißler mit der Literaturkritikerin Marie Schoeß. 

Über die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Utopien, das krasse Leben auf dem Dorf (und in einer Familie) spricht Lola Randl mit den Autorinnen Anke Stelling und Gertraud Klemm.

Nur die Besten schreiben über’n Westen! In seinem Buch »Der Osten: eine westdeutsche Erfindung« (2023) thematisiert Dirk Oschmann die fremde, oft degradierende Perspektive der Alt- auf die Neu-Bundesbürger. Die Sicht der »Ossis« auf die »Wessis« dagegen fiel lange durch eine rosa Brille: Levis-Jeans und richtiger Kaffee, aber auch die im Osten verbotenen Bücher waren attraktiv. Doch was ist der wahre Wert des Westens?

»Masahlena. Masahlena. Masahlena. Masahlena. Masahlena. Wem die Wiederholungen hier zu viel werden, bitte vortreten. Haben wir noch etwas anderes als Wein im Haus, Masahlena« heißt es im Brief eines Unbekannten. Alles, was wir von ihm wissen: Er ist der Held in Thomas Kunsts neuem Roman »Masleboi«.

Richtig gute Kurzgeschichten können ja angeblich nur Amerikaner schreiben. Oder Alice Munro, Katherine Mansfield und Gabriele Wohmann, leider alle tot. Und Julia Wolf, sehr lebendig, wie die Kurzgeschichtensammlung mit dem das Jetzt und die Gegenwart deutlich betonenden Titel »Du, hier« zeigt.

Svenja Leiber macht in »Nelka« die Spuren der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts sichtbar. Sie erzählt von Zwangsarbeit und von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten.

Eines Tages sind sie da. Wie aus dem Nichts leben sie plötzlich in der Stadt, stehen auf Straßen und Plätzen, leben mitten unter den Menschen und ziehen in die Häuser ein: die Elefanten. Doch niemand nimmt Anstoß an ihnen. Die Leute gehen weiter ihrer Wege, geben vor, es hätte sich nichts geändert. Allein der Stand-up-Comedian Pawel weigert sich zu schweigen und ruft von der Bühne dazu auf, sich der Realität zu stellen. Er riskiert damit alles, sein Leben, seine Freiheit und vor allem seine Liebe zu Anna.

Über Nacht verändern sich die Straßen von Wolnopol: Dünen wehen über die Promenade, künstlich anmutende Wirbelstürme reißen Schneisen durch die ukrainische Küstenstadt. Was wie ein Naturphänomen wirkt, entpuppt sich schnell als existenzielle Bedrohung. Ulrike Almut Sandig spannt in ihrem neuen Roman einen sinnbildlichen Bogen über drängende Fragen unserer Zeit. Wie sehr brauchen wir einander im Sturm?

Ein großer deutsch-türkischer Familienroman – und die Geschichte eines größenwahnsinnigen Mannes, der hin und her pendelt zwischen Aufstieg und Fall, Sehnsucht und Gier, Schuld und Unschuld. Und damit seine Familie vor die entscheidende Frage stellt, auf welcher Seite sie steht.

Wie erzählt man den Holocaust? Wie kann Aufarbeitung so gelingen, dass auch lange nach der Katastrophe geborene Generationen das »Nie wieder!« verstehen? Das sind Fragen, mit denen wir uns dringend (wieder) beschäftigen müssen. Mit ihrer Graphic Novel schafft Barbara Yelin ein eigenständiges und eindringliches Stück Erinnerungsliteratur und eine Reflexion darüber, was Erinnern heißt.

Der Schriftsteller Florian Werner versammelt Beiträge zu den unterschiedlichsten Instrumenten: von der Geige über die Gitarre, die Trompete, den Bass und die Drehleier bis hin zum elektronischen Sampler. Bekannte Größen aus Pop, Rock, Klassik und Jazz stellen in Texten und Bildern ihre musikalischen Lebensgefährten vor. Sie erzählen vom Suchen und Finden des richtigen Instruments, von gemeinsamen Erlebnissen auf und abseits der Bühne, von den Freuden des Spielens und den Qualen des Übens — und davon, wie ein unbelebter Gegenstand zu einem Wegbegleiter wird, den man nicht mehr missen will.

Hypnotically, with shattering emphasis and great sensitivity, David Szalay tells of a life in its intimate moments – a life that is barely perceptibly marked by the shocks of the present and the precariousness of human existence in a cold Europe. David Szalay talks about this and his novel with presse editor Xenia Sircar. The German text will be read by Dominikus Weileder.

Zwischen Workout, Skincare und Content lebt Monique, genannt Mon, in einer Sphäre größtmöglicher Perfektion. Doch ihre Beziehungen erschöpfen sich in Modi von Konkurrenz, Neid und gespielter Zuneigung. Beim Shooting für ein Schokoladen-Start-up trifft Mon auf eine junge Fotografin. Mons latente Aggression entlädt sich bald in zunehmend drastischeren Gewaltexzessen. Josefine Rieks scheibt in »Wenn euch das gefällt« am Limit des Erträglichen. Ihr Sujet ist die Erfahrungslosigkeit der Individuen in einer zunehmend virtuellen Realität, ihre gewaltsame Selbstzurichtung und ihr Hunger nach Lebendigkeit.

Kaum eine Epoche zeigt die Entwicklung der modernen europäischen Welt mit ihren Höhen und Tiefen konzentrierter als die englische Renaissance. Innerhalb kürzester Zeit mutiert die Insel aus halber Barbarei zum europäischen Motor von Kapitalismus, Kunst und Wissenschaft. In über 500 von ihm ausgewählten, eingeleiteten und übersetzten Originaltexten entfaltet Manfred Pfister ein immens vielfältiges Panorama, das von Chaucer und Erasmus über Shakespeare bis zu Milton reicht.

Hiromi Itō durchkreuzt mit ihrer Sprachkunst und Imagination sämtliche Genres und reißt Grenzen nieder. Die vorliegende Sammlung von Texten aus 45 lebensprallen, schaffensdichten Jahren verspricht Einblicke in ein Künstlerleben voll ungeahnter Ausdrucksformen und Erkenntnisweisen, beginnend mit einem Liebesgedicht, endend mit einem Manifest. Darüber spricht Hiromi Itō mit dem Schriftsteller und Musiker Frank Witzel.

Eine Frau trennt sich. Endlich. Eine andere pinkelt in den Schnee. Schwarze Löcher öffnen sich, Rettungsringe verschwinden. Zähne und Herzen brechen. Auf Parkplätzen, in Bars oder in Krankenhäusern wird die Fassung verloren. In »Notfallkontakte« erzählt Esther Becker von Menschen in seltsamen, verletzenden oder scheinbar hoffnungslosen Situationen. Als Komplizin ihrer Figuren beleuchtet sie empathisch ihre Lebenswelten. Dabei ist Beckers Ton nachdenklich, aber stets leicht und voller Humor.

Iro kommt vom Dorf in der Elfenbeinküste in die brodelnde Metropole Abidjan. Doch anstelle sich auf das Studium zu konzentrieren, verbringt er vor allem Zeit mit seinem selbstbewussten Kommilitonen Thierry. Auf dem Markt verkaufen sie gemeinsam T-Shirts und träumen von einem Leben ohne materielle Sorgen. Als sein Vater stirbt, holt die Scham über die eigene Familie Iro ein: Ist sein Vater der Versager, für den er ihn immer gehalten hat? Oder gibt es noch eine andere Wahrheit?

Ein Roman über einen Abschied aus der Türkei und einen Neuanfang in Deutschland, über die oft unerträgliche Entfernung zu denen, die uns räumlich am nächsten sind – und über den verzweifelten Wunsch, Liebe nachzuholen. Darüber spricht der Autor Fikri Anıl Altıntaş mit der Moderatorin Josephine Apraku.

Nach einem beruflichen Zusammenbruch fängt die Protagonistin in Verena Keßlers Roman neu an – an der Theke des MEGA GYM, in dem alles glänzt: Körper, Oberflächen, Versprechen. Ihr eigener Körper passt noch nicht ins Bild, doch das lässt sich ändern.

Dacia Maraini ist fast 90 Jahre alt. Und fast ebenso lange hat sie gebraucht, um schmerzliche Kindheitserinnerungen zu Papier zu bringen: Gemeinsam mit ihrer Familie wurde sie 1943 in Japan interniert, nachdem sich ihre Eltern Fosco und Topazia Maraini geweigert hatten, Mussolinis Repubblica di Salò anzuerkennen.

Zwei Freundinnen, ein Traum: raus aus Moskau, rein ins Leben. Denn während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, muss sich der andere mittellos durchs Leben schummeln. Auch die beiden Studentinnen Karina und Tonya schlagen sich mit Charme und Überlebenskunst durch Putins Russland – zwischen kaputtem System und der Sehnsucht nach Freiheit, zwischen Prekariat und Party.

Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber nach Freundschaft sehnt. Faina soll diese Lücke füllen, also bringt er ihr Deutsch bei, und wie man Weihnachten richtig feiert. Er macht sie zu seiner Faina.

»Videotime« heißt die Videothek, die der Ich-Erzähler in seiner Kindheit regelmäßig mit seinem Vater aufsucht, um dort Filme auszuleihen und sie zu Hause auf Leerkassetten zu überspielen. Jahrzehnte später kehrt der Erzähler in die Kleinstadt zurück. Die Eltern haben sich getrennt, die Orte seiner Kindheit sind verschwunden. Allein in den Filmen aus der Sammlung seines Vaters scheint die Möglichkeit auf, doch noch einen Zugang zur eigenen Vergangenheit zu finden.

Sebastian Haffner »Die Tochter«

Sebastian Haffner »Die Tochter« Annett Gröschner im Gespräch mit Jürgen Kuttner über die nächste spektakuläre Neuentdeckung aus dem Nachlass Sebastian Haffners.Es liest Lia

Hanns Zischler »Yumikos Paravent«

Hanns Zischler »Yumikos Paravent« Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter Johanna im fernen Japan erreicht Hanaka Wochen zu spät. Sie reist nach

Tereza Semotamová »Radikale Bedürfnisse«

Tereza Semotamová »Radikale Bedürfnisse« Hana ist Bildhauerin, Mitte dreißig, und mit ihren unerfüllten Wünschen und verdrängten Bedürfnissen gerade erst aus dem inneren »Schrank«

Eva Menasse »Alleinruhelage«

Die Autorin im Gespräch mit Cathrin Kahlweit Woher die freundschaftliche Ansprache »du altes Haus« kommt, ist etymologisch nicht eindeutig nachweisbar, doch wer braucht

Karosh Taha »Gulistan«

Karosh Taha »Gulistan« Im Gespräch mit Lena Gorelik Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen

Tomer Gardi »Liefern«

Tomer Gardi, Dheeraj Tyagi und Anne Birkenhauer im Gespräch mit Insa Wilke Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in

Inga Machel »Harte Strandparty«

Moderation Insa Wilke Drei Leben am Rand. Ein Mädchen, überzeugt, kein Kind mehr zu sein, verbringt einen Sommer voller Widersprüche, ihr einziger Freund

Heike Geißler »Michaela Kohlhaas«

Heike Geißler »Michaela Kohlhaas« Es moderiert Marie Schoeß »Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.« So erzählt es Heinrich von Kleist in

Lola Randl »Der lebende Beweis«

Die Autorin im Gespräch mit Anke Stelling und Gertraud Klemm Lola Randl ist ein Experiment angetreten: In dem für den Deutschen Buchpreis nominierten

Thomas Kunst »Masleboi«

Der Autor im Gespräch mit Jan Kuhlbrodt »Masahlena. Masahlena. Masahlena. Masahlena. Masahlena. Wem die Wiederholungen hier zu viel werden, bitte vortreten. Haben wir

Julia Wolf »Du, hier«

Julia Wolf »Du, hier« Die Autorin im Gespräch mit Carolin Wiedemann Richtig gute Kurzgeschichten können ja angeblich nur Amerikaner schreiben. Oder Alice Munro,

Svenja Leiber »Nelka«

Moderation Natascha Freundel Die sechzehnjährige Nelka, die 1941 aus Lemberg verschleppt und zur Arbeit auf einem norddeutschen Gut gezwungen wird, muss in der Küche,

Sasha Filipenko »Die Elefanten«

Moderiert von Klaus Lederer. Es liest Matthias Matschke. Simultan gedolmetscht aus dem Russischen von Irina Bondas. Mit einer Performance von Vidina Popov und

Ulrike Almut Sandig »Im Orkan«

Moderation Maria-Christina Piwowarski Über Nacht verändern sich die Straßen von Wolnopol: Dünen wehen über die Promenade, künstlich anmutende Wirbelstürme reißen Schneisen durch die ukrainische

Cihan Acar »Casino«

Der Autor im Gespräch mit Amina Aziz Cumali Karagöz ist ein wichtiger Mann in Steinheim, den viele bewundern, andere fürchten und einige hinter

Josefine Rieks »Wenn euch das gefällt«

Moderation Jan Drees Veranstaltungsort: Literaturforum im Brecht-Haus Zwischen Workout, Skincare und Content lebt Monique, genannt Mon, in einer Sphäre größtmöglicher Perfektion. Doch ihre

Hiromi Itō »Garstiger Morgen«

Die Autorin im Gespräch mit Frank Witzel. Den deutschen Text liest Maren Eggert. Erzählung? Essay? Journal? Memoir? Gedicht? Gebet, Beichte, Beschwörung, Provokation oder

Esther Becker »Notfallkontakte«

Buchpremiere: Esther Becker »Notfallkontakte«. Im Gespräch mit Anke Stelling Eine Frau trennt sich. Endlich. Eine andere pinkelt in den Schnee. Schwarze Löcher öffnen

Verena Keßler »Gym«

Moderation Mascha Jacobs Nach einem beruflichen Zusammenbruch fängt die Protagonistin in Verena Keßlers Roman neu an – an der Theke des MEGA GYM,

Maya Rosa »Moscow Mule«

Moderation: Chris Möller Zwei Freundinnen, ein Traum: raus aus Moskau, rein ins Leben. Denn während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der

Lana Lux »Geordnete Verhältnisse«

Moderation Dmitrij Kapitelman Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber

Roman Ehrlich »Videotime«

Moderation Marie Kaiser »Videotime« heißt die Videothek, die der Ich-Erzähler in seiner Kindheit regelmäßig mit seinem Vater aufsucht, um dort Filme auszuleihen und