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Für das Literaturhaus Berlin hat die Performancekünstlerin Ginka Steinwachs eine Lecture performance vorbereitet: Ein Klavier spielt eine Rolle, außerdem eine Sanduhr, ein abgeschnittenes Goethebild und möglicherweise auch eine Turnübung.

Leere Ausstellungsräume, verwaiste Veranstaltungssäle und zu Hause vereinsamende Künstler:innen und Autor:innen: Sieht so die Kultur in Zeiten von Corona aus?

Nagham Haydar im Gespräch mit Ramy Al-Asheq über Mohamed Choukri »Das nackte Brot«

In arabischer Sprache mit deutscher Untertitelung von Leila Chammaa

Michael Kumpfmüller spricht mit der Autorin und Anglistin Nele Pollatschekdie über die letzten Tage im Leben von Virginia Woolf.

Führung zu den Künstlercafés des Neuen Westens – Café des Westens, Romanisches Café und Co. mit Sebastian Januszewski

»Die Lieblinge der Justiz«, das sind, wie man weiß, sowohl echte als auch vermeintliche Verbrecher: Bohdan Staschynskyj zum Beispiel, ein KGB-Agent und Auftragskiller, der den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera in seinem Münchner Exil ermordet, dann aber wegen der Liebe zu einer ostdeutschen Friseurin mit ihr in den Westen flieht und sich stellt.

Wer glaubt, es hier mit einem beschaulich historischen Berlin-Führer aus dem 19. Jahrhundert zu tun zu haben, wird rasch eines Besseren belehrt: Das monumentale »Berlin«-Buch Ernst Dronkes symbolisiert vielmehr eine Epoche der Krise und schaut auf das Europa im Vormärz kurz vor der Revolution 1848/49.

Die komplette (Neu)Übersetzung der legendären Zeitschrift La Révolution Surréaliste. Ihre zwölf Ausgaben erschienen von 1924 bis 1929 und sind ein Hauptdokument des französischen und internationalen Surrealismus. Sie zeigen Aufbruch, Widersprüche und Weiterentwicklungen dieser frühen chaotischen Phase der Bewegung. Die Zeitschrift enthält berühmte Umfragen, Manifeste und andere Texte, sowie viele Abbildungen. Eine deutschsprachige Gesamtausgabe mitsamt den konzeptionell wichtigen Abbildungen existierte bisher nicht. Nach 100 Jahren ist es Zeit für eine Revision und Relektüre.

Ein großer deutsch-türkischer Familienroman – und die Geschichte eines größenwahnsinnigen Mannes, der hin und her pendelt zwischen Aufstieg und Fall, Sehnsucht und Gier, Schuld und Unschuld. Und damit seine Familie vor die entscheidende Frage stellt, auf welcher Seite sie steht.

Vier Soziolog:innen, vier Blickwinkel auf eine Gegenwart, die vielen aus den Fugen geraten scheint. Teresa Koloma Beck, Steffen Mau, Heinz Bude und Stephan Lessenich diskutieren mit der Moderatorin Vivian Perkovic über Transformationsprozesse, Strukturen und Konfliktlinien, die unsere Gesellschaft prägen. Wie entstehen soziale Konflikte? Wie wirken der Kolonialismus und die DDR-Geschichte bis in unsere Gegenwart nach? Und wie lässt sich diese Welt überhaupt noch erklären? Vier der profiliertesten Stimmen der deutschen Soziologie wagen an diesem Abend einen gemeinsamen Versuch.

Es ist 1984 in Chile, zur Zeit der Pinochet-Diktatur. Verzweifelt, aber entschlossen betritt ein Mann die Büros einer Oppositionszeitschrift. Er ist ein Agent der Geheimpolizei. »Ich möchte auspacken«, sagt er, und eine Journalistin schaltet ihr Tonbandgerät ein. Seine Aussage wird Chile für immer verändern.

Mitreißend und bewegend und doch mit großer Leichtigkeit und Poesie erzählt Nona Fernández und spricht über ihren Roman mit dem Schriftsteller und Übersetzer aus dem Spanischen und Katalanischen, Michael Ebmeyer. Die deutschen Passagen liest Hêvîn Tekin.

Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Mit seinem Protagonisten Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist und dort als Lieferant arbeitet, verbindet Tomer Gardi diese Lieferantengeschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos und gibt denen eine Stimme, die in unserer Gesellschaft selbst keine haben. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. Dieses Buch ist eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve. Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat.

Mit »Schamaninnen« folgt nun die Fortsetzung von Ulli Lusts groß angelegter Erforschung unserer Ursprünge und der Rolle der Frau in der menschlichen Kunst- und Kulturgeschichte. Kinder werden geboren, andere sterben, die Venus von Willendorf wird geschaffen. Doch zeigt sie wirklich eine Göttin? Oder war sie Werkzeug der Schamanin, ein Avatar zur Reise durch Geisterwelten, wie sie sich bis heute in Mythen und Märchen finden?

Alter ist kein Ende, sondern ein Neubeginn. Das zeigen nicht nur unsere heutigen Gäste Ulrike Edschmid, Jeanine Meerapfel und Katharine Sehnert, sondern Frauen wie Vivian Gornick, Jane Campbell, Carmen Herrera oder Lucinda Childs. Mit vielen von ihnen hat Verena Lueken für ihr neues Buch gesprochen und sie sehr persönlich porträtiert. Manche haben sich neu erfunden, andere haben immer weitergemacht und schaffen im hohen Alter den internationalen Durchbruch als Künstlerinnen und Schriftstellerinnen. Sie sind mutig, fordern nichts ein, aber nehmen sich, was sie brauchen.

Eines Tages sind sie da. Wie aus dem Nichts leben sie plötzlich in der Stadt, stehen auf Straßen und Plätzen, leben mitten unter den Menschen und ziehen in die Häuser ein: die Elefanten. Doch niemand nimmt Anstoß an ihnen. Die Leute gehen weiter ihrer Wege, geben vor, es hätte sich nichts geändert. Allein der Stand-up-Comedian Pawel weigert sich zu schweigen und ruft von der Bühne dazu auf, sich der Realität zu stellen. Er riskiert damit alles, sein Leben, seine Freiheit und vor allem seine Liebe zu Anna.

Richtig gute Kurzgeschichten können ja angeblich nur Amerikaner schreiben. Oder Alice Munro, Katherine Mansfield und Gabriele Wohmann, leider alle tot. Und Julia Wolf, sehr lebendig, wie die Kurzgeschichtensammlung mit dem das Jetzt und die Gegenwart deutlich betonenden Titel »Du, hier« zeigt.

Bücher aus dem Krieg gibt es viele. Bücher über den Krieg, in denen der Schrecken der Schützengräben möglichst anschaulich gemacht werden soll. Bei Norbert Gstrein hingegen steht zunächst nur ein Haus mit einem Garten an einem See. Dort halten sich, wie der noch jugendliche Protagonist Adrian feststellt, Invaliden auf, junge Männer, kaum älter als er, deren Gesichter im Krieg so stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass sie nicht mehr vorzeigbar sind. Adrian selbst wurde von seinem Vater untauglich gemacht für eine Teilnahme am Krieg, er war nicht dabei, ist verschont geblieben und das verfolgt ihn sein Leben lang genau wie die Gesichter der invaliden Gleichaltrigen.

»Masahlena. Masahlena. Masahlena. Masahlena. Masahlena. Wem die Wiederholungen hier zu viel werden, bitte vortreten. Haben wir noch etwas anderes als Wein im Haus, Masahlena« heißt es im Brief eines Unbekannten. Alles, was wir von ihm wissen: Er ist der Held in Thomas Kunsts neuem Roman »Masleboi«.

Reihe »Eine Frau wird älter«

Petra Kohse und Ginka Steinwachs im Gespräch mit Susanne Mayer Ginka Steinwachs, »the 20th century fox female voice / where the elements of